Giana Sisters: Twisted Dreams - Test, Plattformer, 360, Wii_U, PC, PlayStation3, Switch, PlayStation4, XboxOne

Giana Sisters: Twisted Dreams
12.12.2014, Michael Krosta

Test: Giana Sisters: Twisted Dreams

Schwesterliche PS4-Hüpfeinlagen

Die Geschichte der „Great Giana Sisters“ wurde schon so oft erzählt, dass sie wohl kaum noch einmal wiederholt werden muss. Machen wir deswegen lieber einen harten Schnitt in die Gegenwart, in der sich die Schwestern von ihrer Vergangenheit als Mario-Klone emanzipiert haben. Und sie verzaubern heute noch genau wie damals - egal ob auf dem PC, der Xbox 360 oder der PS3. Und neuerdings wird auch im Director's Cut auf PS4 und Xbox One weiter gehüpft...

„Jump & Run“, „Springen & Rennen“ - das ist die Quintessenz des Plattformspaßes, der uns über die vielen, vielen Jahre seit den seligen Donkey-Kong-Tagen so viel Spaß, durchzockte Nächte und Gamepad-förmige Löcher in den Wänden beschert hat. Giana Sisters: Twisted Dreams (ab 2,87€ bei kaufen) folgt dieser Prämisse auf dem Fuße, denn das Spieldesign besteht in erster Linie genau daraus.

Hallo, Schwesterherz!

Und das ist auch gut so, denn diese Fokussierung auf das Wesentliche (angereichert durch Aktivitäten wie das Einsammeln von Edelsteinen bzw. das eine oder andere Kistenverschiebe-„Puzzle“) ermöglicht ungetrübten Hüpfspaß alter Schule: Von links nach rechts, gelegentlich auch nach oben und unten, über Plattformen und Gegnerköpfe. Per Knopfdruck kann man zwischen den beiden Giana-Persönlichkeiten wechseln: Blondchen kann einen hohen Wirbelsprung machen, die Rothaarige sich in einen feurigen Ball verwandeln; schweben können sie beide.Durchdacht: Mit dem Gamepad kann man per Knopfdruck direkt auf eine von beiden wechseln, so dass fließende Übergänge möglich sind. Und nach kurzer Zeit werden diese auch vom Spieldesign gefordert.

Was die Entwickler aber so richtig vom Spieler verlangen, ist Durchhaltevermögen und stabiles Zahnfleisch. Denn das neue Giana Sisters wird schnell erstaunlich schwer - was dem spirituellen Vorgänger Giana Sisters DS an Anspruch fehlte, wird hier doppelt und dreifach draufgepackt. Dabei geht es nicht um Lebensverlust, denn auf dem normalen Schwierigkeitsgrad hat man unendlich viele Versuche, beim Scheitern wird man sofort wieder an den letzten der vielen Checkpunkte gebeamt. Es geht vielmehr um nach Pixelperfektion verlangende Sprungeinlagen, um fies platzierte Gegner, um perfektes Wechseltiming fordernde Plattformen. Verlorene Leben werden lediglich in der Levelendabrechnung gezählt. Und dort sorgen zu viele dafür, dass man eine weniger gute Note (ausgedrückt in mehr oder weniger Sternen) kassiert.

Der Wechsel zwischen den Schwestern verändert nicht nur das gesamte Aussehen des Levels (sowie die Musik), sondern auch seinen Aufbau - so werden auf einmal Bereiche eröffnet, die vorher unerreichbar waren.
Wer Freude an der Eigenfolter hat, der kann auch weitere Schwierigkeitsgrade freischalten: Auf „Hardcore“ geht’s beim Lebensverlust am Levelanfang los. Und auf „Über-Hardcore“ bedeutet ein falscher Sprung, dass man das ganze Spiel von vorn starten muss. Hossa!

Es dürfte nur wenige Sekunden nach dem Starten des ersten Levels dauern, bis dieser oder ein ähnlicher Laut aus dem Mund des Giana-Sisters-Spielers dringt: „Geiiiiiil!“ Der Wechsel zwischen den Schwestern bewirkt nämlich nicht nur eine veränderte Haarpracht - sondern den Sprung zu einem komplett neu gestalteten Level! Auf einmal erstrahlt die Welt in sattem Grün statt in düsterem Braun. Plötzlich sprießen riesige Blumen aus dem Boden, wo vorher knorrige Stämme waren. Aus den watschelnden und fliegenden Teufeln werden ebenso watschelnde und fliegende Eulen. Bissige Piranhas verwandeln sich in entspannte Schildkröten, fiese Dornenbüsche in kleine Wiesen. Der Effekt ist einfach sagenhaft - er ist nicht neu, andere Spiele haben sich bereits eines ähnlichen Stilmittels bedient. Dennoch wirkt er hier frisch und wunderschön. Die farbenfrohen Welten verzücken auch auf der PS4, doch der technische Fortschritt hält sich trotz der aufgebohrten FullHD-Auflösung verglichen mit PC und 360 in Grenzen - auch deshalb, weil sich die Kulissen schon auf den anderen Plattformen wunderschön präsentierten: Die Bildrate ist zwar generell flüssiger als beim technisch schwächelnden PS3-Pendant, doch kleine Rückler muss man hin und wieder auch auf der neuen Konsole in Kauf nehmen. Die unschönen Zeilenverschiebungen ("Tearing") gehören auf der PS4 dagegen der Vergangenheit an. Absoluter Hingucker ist und bleibt der dynamische Wechsel zwischen den beiden Welten.

Wi-Wa-Wunderwelten!

Dieser hat er mehr als nur grafische Auswirkungen. Denn durch den Sprung in die andere Traumwelt verändert sich auch das Leveldesign leicht. Der generelle Aufbau bleibt gleich, aber mit einem Mal erscheinen Plattformen, die vorher nicht da waren. Tore öffnen sich, Brücken werden errichtet, Fahrstühle setzen sich in Bewegung. Wenn man mal nicht weiter weiß: Wechsel zur anderen Dame! Schon nach kurzer Zeit muss die Metamorphose punktgenau sitzen - etwa wenn man sich über variabel anwesende Plattformen nach oben kämpfen oder verschiedenfarbige Edelsteine in ihrer Gesamtheit aufsammeln muss.

Mehr nur ein optischer Effekt

Besondere Aufmerksamkeit hat an dieser Stelle der Soundtrack verdient. Nicht nur, weil er an sich super ist; die Namen Chris Hülsbeck und Fabian Del Priore sollten für sich selbst sprechen.

Kleinere Puzzles bringen Abwechslung in den Lauf-und-Spring-Alltag.
Sondern auch, weil er direkt von dem Weltenwechsel betroffen ist: Wechselt man das Szenario, werden Synthesizer durch dicke Gitarren der schwedischen Metal-Band Machinae Supremacy ersetzt, die den Soundtrack nahtlos weiterführen. Sehr, sehr cool! Leider lässt die Abmischung auf der PS4 ähnlich zu wünschen übrig wie auf der 360: Die Klangkulisse wirkt im Vergleich zu anderen Spielen ungewöhnlich leise, was auch damit zusammenhängen mag, dass statt 5.1 offenbar nur Stereo-Ton ausgegeben wird. Immerhin darf man die Regler in der Audio-Einstellungen mittlerweile selbst bedienen und dadurch die Lautstärke für Musik und Effekte getrennt anpassen sowie auf Wunsch erhöhen.

Da rockt das Blondchen!

Vom teilweise ziemlich fiesen Anspruch abgesehen ist Giana Sisters: Twisted Dream kein sonderlich umfangreiches Spiel - ein Durchflitzen der gebotenen Welten sollte den Könner am Gamepad nur ein paar Stunden kosten. Auf der PS4 lassen sie sich sogar gleich von Anfang an alle auswählen, so dass man schon mal in spätere Kapitel und Schauplätze hineinschnuppern darf, wenn man es möchte. Klar kann man alle Edelsteine aufsammeln und möglichst wenig Leben verlieren, um am Ende möglichst strahlend da zu stehen. Außerdem werden mit „Score Attack“ und „Time Attack“ über die Zeit auch weitere Spielvarianten freigeschaltet. Die Bonus-Level zu Halloween oder Weihnachten, die PC-Spieler als kostenlose Dreingabe bekommen haben, sind bei der PS4-Umsetzungglücklicherweise genauso enthalten wie die Erweiterung "Rise of the Owlverlord" - schön, denn auf PS3 und 360 musste man auf die Weihnachts- und Halloween-Abstecher aufgrund des langwierigen Zertifizierungsprozesses noch verzichten. Die Traumjagd, der neue Mehrspieler-Modus, hat es aber leider nicht mehr rechtzeitig vom PC auf die PS4 geschafft, könnte aber in Zukunft noch nachgereicht werden.

Fazit

Genau wie damals Kollege Paul hat mich schon am PC die Wiederauferstehung von Giana Sisters gepackt. Es ist schön zu sehen, dass man mittlerweile keinen hüpfenden Klempner mehr klonen muss, sondern auch mit eigenen Ideen ein wunderschönes Jump'n'Run kreieren kann, bei dem einem das Herz aufgeht. Auch auf der PS4 ist die Kulisse einfach traumhaft und der stylische Umschalt-Effekt immer wieder ein Hingucker. Schade nur, dass man auch auf der PS4 keine durchweg reibungslose Darstellung beim Hüpfen durch die prächtigen 2D-Welten realisieren konnte. Schön dagegen, dass die kostenlosen Bonuslevel, welche die Entwickler zu Halloween und Weihnachten der PC-Gemeinde spendiert haben, endlich zusammen mit der Erweiterung "Rise of the Owlverlord" als Gesamtpaket den Weg auf die Konsole finden. Nur der neue Mehrspielermodus "Traumjagd" hat es leider nicht mehr vom PC in den Director's Cut geschafft. Eine 5.1-Abmischung wäre sicher immer noch toll, aber die Melodien von Hülsbeck & Co laden auch in Stereo zum Mitwippen ein und die standardmäßig etwas leise Lautstärke lässt sich in den Optionen endlich anpassen. Giana Sisters: Twisted Dreams bleibt auch auf der PS4 ein charmantes Hüpfspiel mit kleinen technischen Einbußen, das trotz des konservativen Designs immer noch mit seinem klassischen Flair punktet - auch deshalb, weil es an den richtigen Stellen modernisiert wurde.

Pro

  • Pracht-Präsentation
  • cleveres Umschalten
  • toller Soundtrack
  • präzise Steuerung
  • kreatives Leveldesign
  • allerlei Freispielmaterial
  • herausfordernde Bosskämpfe
  • Erweiterung und zusätzliche Inhalte inklusive

Kontra

  • steil ansteigender Schwierigkeitsgrad
  • etwas konservatives Spieldesign
  • Darstellung nicht immer flüssig
  • keine 5.1-Abmischung
  • Mehrspielermodus fehlt

Wertung

PlayStation4

Mit kleinen technischen Einbußen, aber auch zusätzlichen Inhalten rocken die beiden Schwestern im Director's Cut auch die PS4.