Deception 4: The Nightmare Princess - Test, Taktik & Strategie, PlayStation4, PS_Vita, PlayStation3

Deception 4: The Nightmare Princess
22.07.2015, Mathias Oertel

Test: Deception 4: The Nightmare Princess

Mehr drin, mehr dran?

Es darf wieder gequält, erniedrigt und sich schadenfroh daran ergötzt werden. Nein, die Rede ist hier nicht von 50 oder mehr Grautönen, sondern von Deception 4. Letztes Jahr mit dem Untertitel „Blood Ties“ auf PS3 und Vita erschienen, darf nun auch auf der PlayStation 4 fantasievoll gemeuchelt werden. Ob die zusätzliche Kampagne das Fallenstellen noch interessanter macht, verrät der Test.

Vor etwas mehr als einem Jahr hat die Teufelstochter Laegrinna in Deception 4: Blood Ties Seelen für ihren Vater gesammelt und die Spieler eingeladen, mit ihr waghalsige sowie vor allem tödliche Kombinationen von Fallen zu erforschen und sie einzusetzen. Die Fortsetzung der Serie, die auf der PSone ihren Anfang nahm, konnte zwar nicht mehr an die düstere Grundstimmung der Vorgänger anknüpfen, während es gleichzeitig Probleme mit der KI und dem Balancing einiger Bosse gab. Dennoch konnte das Austüfteln von Kombos und das Locken der Gegner in die möglichst effektiv aufgestellten Fallen über große Strecken unterhalten. Da etwa drei Fünftel der PS4-Umsetzung von Deception 4: The Nightmare Princess (ab 42,99€ bei kaufen) inhaltlich identisch sind und auch einige der wesentlichen Mankos beibehalten wurden, möchte ich an dieser Stelle für die „Blood-Ties“-Kampagne auf den Test von damals verweisen (Link zum Test).

Wiederholungstäter

Haufenweise neue Fallen, eine neue Kampagne und eine verbesserte Kulisse kennzeichnen die PS4-Version von Nightmare Princess..
Stattdessen richte ich den Fokus auf die Neuerungen sowie die auf der PS4 überarbeitete Kulisse. Zwar sehen auch die Abenteuer der Albtraum-Prinzessin nicht zeitgemäß aus, doch die Fortschritte gegenüber der PS3-Version sind deutlich: Die höher aufgelösten Texturen stehen der Fallen-Strategie ebenso gut zu Gesicht wie die deutlich sanfteren Schatten sowie die filigraner gezeichneten Figuren. Das alles bei deutlich reduzierten Ladezeiten. Doch die Kulisse war ohnehin noch nie das Aushängeschild der Serie – dementsprechend sieht das Ganze jetzt endlich so aus, wie man es sich von einem PS3-Titel aus dem Jahre 2014 vorgestellt hätte: Mit vollen 1080p und 60 Bildern pro Sekunde. Viel wichtiger sind ohnehin die inneren Werte. Und auch wenn ich es bedaure, dass an den KI-Schwächen von Blood Ties nicht gearbeitet wurde, stellt sich schnell wieder die morbide Grundfaszination ein, die mich schon letztes Jahr immer wieder ans Pad lockte.  

In der neuen Kampagne steht Velguirie im Mittelpunkt.
Das Ausbaldowern, welche Fallen man wo platziert (und sie aktiv im richtigen Moment auslöst), damit eine möglichst schadensreiche Kombokette entsteht, ist das Salz in der Suppe, die am ehesten nach Echtzeit-Puzzler schmeckt. Und davon bekommt man mehr als je zuvor. Nicht nur, dass jetzt beinahe 200 Fallen (im Vorgänger waren es 120) zur Verfügung stehen, die man freischalten, kombinieren und als Machtobjekt benutzen kann. Mit der 100 Missionen langen neuen Kampagne rund um die rothaarige Velguirie hat man genug Gelegenheit, seiner bösen Ader freien Lauf zu lassen – auch wenn man bereits Blood Ties gespielt hat. Erzählerisch setzt man erneut auf den Mix von japanischem Ton und Manga-Zeichnungen mit nur wenigen Animationen - wie bei der gesamten Präsentation steht Zweckmäßigkeit im Mittelpunkt. Neu ist ein aktiver Tritt, der Velguirie zur Verfügung steht. Allerdings darf man das nicht als Aufforderung missverstehen, seine Gegner jetzt nach Strich und Faden verprügeln zu können. Die Nutzung, die sich nach einmaligem Kick erst einmal wieder aufladen muss, ist vielmehr als Option zu verstehen, Gegner auf Distanz zu halten, bzw. die Kombo aufrecht zu erhalten. In jedem Fall fügt sie den strategischen Planungen eine weitere Nuance hinzu.

Fallensteller

Deception 4: Nightmare Princess ist auf allen aktuellen Sony-Systemen erhältlich. Die PS4-Version gibt es sowohl im Einzelhandel als auch im PlayStation Store. Die Versionen für PS3 und Vita sind nur digital im PlayStation Store erhältlich.
Doch der aktive Kick ist nicht das einzige Novum der Serie. Erstmalig darf man im so genannten „Studio“ Szenarien kreieren, in denen man die Feinde innerhalb eines passablen, aber oberflächlichen Editors definiert und sie in einer Arena bekämpft. Die Anzahl an zur Verfügung stehenden Presets, die man kombinieren darf, richtet sich dabei nach dem Material, das man im Laufe der zwei Kampagne freigespielt hat. Wer viel spielt, hat entsprechend viele Optionen. Hat man einen Level erstellt, darf man diesen mit den übrigen Spielern von The Nightmare Princess teilen. Für Levelnachschub ist also gesorgt, obgleich festzuhalten ist, dass man kreative Szenarien mit der Lupe suchen muss. Und selbstverständlich haben die KI-Probleme, die in beiden Kampagnen auftauchen, auch Auswirkungen auf den Unterhaltungswert der Studio-Szenarien, egal ob man sich für eigene entscheidet oder sich auf Community-Kreationen konzentriert. Doch davon abgesehen stellt die PS4-Fassung die beste Variante von Deception 4 dar.

Fazit

Viele der Schwächen des Originals sind nach wie vor vorhanden: Die Standard-Gegner verhalten sich nur selten intelligent. Der Spielablauf kann repetitiv werden. Und auch die manchmal unfair agierenden Bosse sind ebenso präsent wie in der Urversion aus dem letzten Jahr. Doch das gilt natürlich auch für die Stärken: Das Experimentieren mit den Fallen und die Belohnung für besonders fiese Kombinationen zu kassieren, macht Spaß - auch wenn die Grundstimmung düsterer sein könnte und die gelegentliche Albernheit nicht benötigt. Die neue Kampagne rund um die Albtraum-Prinzessin Velguirie ist erzählerisch trotz dieses Mankos aber ebenso gelungen wie die ihrer Kollegin Laegrinna. Und obendrauf bekommt man mit dem "Studio" die Möglichkeit, eigene Szenarien zu erstellen und diese mit anderen Deception-Fans zu teilen. Zudem hat Tecmo Koei die Gunst der Stunde genutzt und beim Wechsel auf die neue Konsole die Kulisse rundum renoviert. Zeitgemäß ist sie dadurch zwar immer noch nicht, doch deutlich ansehnlicher und sauberer als seinerzeit auf der PS3 ist das Fallenstellen allemal.

Pro

  • haufenweise Fallen und Kombo-Möglichkeiten...
  • verbesserte Kulisse...
  • viel Freiraum für Experimente...
  • Umgebung kann einbezogen werden
  • unterstützt Cross-Save
  • verschiedene Enden (Laegrinna-Kampagne )
  • umfangreiche neue Nightmare-Princess-Kampagne
  • Studio zum Erstellen und Austausch eigener Szenarien
  • übersichtlicher Fallenaufbau

Kontra

  • ... aber madige KI bei Standard-Gegnern
  • ... aber unter dem Strich immer noch unzeitgemäß
  • ... doch letztlich nutzt man häufig die gleichen Kombos
  • unausgewogener Schwierigkeitsgrad
  • Grundstimmung hätte düsterer sein können
  • für Umsteiger von "Blood Ties" ein teures Vergnügen

Wertung

PlayStation4

Eine zusätzliche Kampagne sowie verbesserte Technik machen die Albtraum-Prinzessin auf der PS4 zur besten Fassung von Deception 4.