Man startet also schon wieder ein Abenteuer als Held ohne Gedächtnis? Doch noch bevor man angesichts der hundertsten Amnesie so richtig gähnen kann, fallen (abgesehen von der fehlenden Charaktererschaffung) zwei Dinge auf: Erstens dieses Artdesign, das zusammen mit den Klavierklängen umgehend für eine Stimmung sorgt, in der etwas Trauriges und Episches spürbar werden, das mich auch ein wenig an Hollow Knight erinnert hat. Auch die abstrakten Einschübe sind gelungen: Ähnlich wie die Figuren in Journey ist man auf spitz zulaufenden Beinen unterwegs, außerdem hat man schon bald ein geisterhaftes Wesen auf der Schulter, das ein wenig an Tim Burtons Kreaturen aus Nightmare Before Christmas erinnert.
Reizvolle Akrobatik
Ab und zu meldet sich auch der geisterhafte Begleiter mit Hinweisen oder man trifft auf Händler sowie andere Wanderer, die etwas über all die seltsamen Artefakte und Apparate sagen, wobei einiges kryptisch bleibt. Es gibt keine Sprachausgabe und keine deutsche Übersetzung, lediglich englische oder französische Texte.
Die Steuerung ist weitgehend präzise, nur hakt es manchmal beim Klettern, denn nicht alle Abfragen von Hindernissen sind konsequent und es gibt einige Bugs: Nervig ist z.B., dass man durch Teleporter fallen kann, wenn man zu schnell hinein rennt, sowie manchmal am anderen Ende noch vor einer eigenen Aktion attackiert wird. Sprich: Man materialisiert sich gerade und bekommt sofort auf die Mütze. Und wer an der falschen Stelle stürzt, kann unten in einer Sackgasse landen, aus der kein direkter Weg hinaus führt - aber das ist immerhin nicht fatal, weil man sich über Artefakte jederzeit an die letzte Speichersäule als auch in den Limbo beamen kann.
Kampf mit Zicken
Charakterentwicklung
Fazit
Schade, dass sich ein Klischee bestätigt: Französische Studios begeistern meist mit stimmungsvoller Präsentation, sie überzeugen visuell und akustisch, aber ernüchtern oft auf spielmechanischer Ebene. Shattered - The Forgotten King übt mit seinem tollen Art- und Weltdesign zunächst eine große Anziehungskraft aus, weil es aus Motiven der Fantasy und Science-Fiction eine eigene Ästhetik entstehen lässt. Und auch die akrobatische Komponente ist in dieser monumentalen, toll miteinander verwobenen Welt überaus gelungen. Nur hapert es hinsichtlich KI und Kampf, der in seinen besten Momenten nur solides Niveau erreicht, zumal er sich nicht flüssig genug anfühlt. In den Gefechten sowie der Charakterentwicklung vermisst man auf lange Sicht frische Impulse, die andere Spiele wie The Surge 2, Nioh 2 oder Mortal Shell liefern konnten. Außerdem kommen ärgerliche Bugs hinzu - Shattered fehlt an einigen Stellen der letzte Schliff. Trotzdem ist es eines der elegantesten "Soulslikes", das ich aufgrund der fairen Speicherpunkte sowie der moderaten Schwierigkeit auch Einsteigern empfehlen kann. Mich haben diese 20 Stunden mit dem Wanderer jedenfalls gut unterhalten. Umsetzungen für PS4 und Xbox One sind angekündigt.
Pro
- Abenteuer à la Dark Souls mit Jump'n Run-Flair
- gelungene Akrobatik, teils in 2,5D-Ansicht
- Mischung aus SciFi und Fantasy
- Story macht neugierig
- faire Speicherpunkte, moderater Anspruch
- tolles Art- und Sounddesign
- Charakter entwickeln
- sehr gut verzweigte Spielwelt
- einige gut designte Bosse
- Maus und Tastatur oder Gamepad
- mehrere Enden
Kontra
- Kampf nicht flüssig genug
- recht generisches Gegnerdesign
- einige ärgerliche Bugs in Akrobatik & Gefechten
- Fehler in Kollisionsabfrage
- Gegner-KI zu statisch
- einige langweilige Bosse
- recht sterile Areale, kleinere Glitches
- keine deutsche Lokalisierung, keine Sprachausgabe
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- Dieses Spiel ist komplett echtgeldtransaktionsfrei.