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Polymega
22.02.2021, Michael Krosta

Im Test: Modularer Retro-Traum

Raytracing, Polygon-Overkill, gewaltige Rechenpower, beeindruckender Raumklang, Bewegungssteuerung sowie hohe Auflösungen und Bildraten: Die moderne Spielwelt hat technisch viel zu bieten! Manchmal erwacht trotzdem die Sehnsucht nach der Vergangenheit, in der einen selbst Pixelhaufen und erste 3D-Welten faszinieren konnten. Playmaji will mit seinem modular aufgebauten Retro-Kasten Polymega die beliebtesten CD- und Modul-Systeme vereinen. Wir haben die Base Unit einem Test unterzogen.
Retro ist modern

Retro-Fans haben mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten, alte Spiele zu erleben, selbst wenn die Original-Plattformen nicht mehr zu Hand sind: Neben der rechtlichen Grauzone in Form von Emulatoren finden sich mittlerweile eine Reihe von offiziellen Mini-Replika klassischer Konsolen samt vorinstallierter Bibliotheken, Retro-Sammlungen wie zuletzt Turrican Flashback (zum Test) und nicht zu vergessen Plattformen wie Good Old Games (GOG). Das US-Unternehmen Analogue feierte zudem große Erfolge mit seinen hochwertig produzierten und modernisierten Neuauflagen, darunter das Super Nintendo (SuperNT) und Segas Mega Drive (Mega Sg), bei denen man seine Originalspiele und Peripherie weiterverwenden konnte.

Ein ähnliches Konzept verfolgt Polymega : Auch hier kommen die ursprünglichen Datenträger von damals zum Einsatz statt ROM-Dateien wie im Fall der Mini-Konsolen. Genau wie beim RetroN 5 von Hyberki n spezialisiert man sich dabei aber nicht nur auf eine Plattform, sondern will gleich mehrere Retro-Systeme in einem Gerät vereinen. Sowohl auf der Verpackung als auch der offiziellen Webseite heißt es, dass schon die Basis-Einheit eine Kompatibilität zu 15 Disk-basierten Oldie-Plattformen aufweist. Durchforstet man die Webseite weiter, wird es konkreter: Polymega unterstützt demnach Disks von der ersten PlayStation, der Mega-Drive-Peripherie Mega-CD, Segas Saturn, TurboGrafx/PC-Engine-CD und Neo Geo CD. Damalige Regionalcodes spielen hier keine Rolle, denn das Gerät spielt sowohl hiesige PAL-Versionen als auch die Titel aus den USA und Japan anstandslos ab. Gleichzeitig liefert dies die Erklärung, warum der Hersteller statt fünf Systemen fünfzehn nennt, denn er listet die drei regionalen Ausführungen jeder Konsole separat. Nicht dabei ist leider eine Kompatibilität zum 3DO, was sich schon alleine angesichts von Highlights wie Need for Speed, Gex oder Super Wing Commander gelohnt hätte. Auch Exoten wie Commodores Amiga CD32, das CD-I von Philips oder Ataris Jaguar CD werden leider nicht unterstützt. Allerdings werden potenzielle Updates in Aussicht gestellt, um die Kompatibilität nachträglich aufzubohren. Eine klare Absage gibt es hingegen für eine Unterstützung con moderneren Plattformen wie PS2, PS3, GameCube und Wii. Der Name Dreamcast, für viele sicher eine enorm attraktive Vorstellung, wird bedauerlicherweise mit keinem Wort erwähnt.

Modul-Upgrades via...Modul


Das Polymega hat ein externes Netzteil. HDMI- und USB-Kabel gehören zusammen mit einem Controller ebenfalls zum Lieferumfang.
Neben CD-basierten Oldie-Konsolen gestattet Polymega mit einem modularen Upgrade-System die Erweiterung der Kompatibilität auf Plattformen wie das NES, Super Nintendo, Mega Drive und die PC Engine, in denen Spiele bekanntlich auf Modulen bzw. HuCards ausgeliefert wurden. Praktisch: Diese Upgrade-Module bieten zusätzlich zu den beiden USB-Ports der Basis-Einheit zwei weitere Anschlüsse zur Verwendung der damaligen Original-Controller. Gleichzeitig befindet sich im Lieferumfang ein dazugehöriger Controller mit dem entsprechenden Stecker, der damit sogar an der Original-Konsole verwendet werden kann. Der Nachteil dieser Herangehensweise: Im Gegensatz zur Basis-Einheit verfolgt Playmaji bei diesen Modulen nicht länger den universellen Ansatz, sondern bittet für die einzelnen Systeme separat zur Kasse und verlangt pro Upgrade knapp 100 Euro. Leider konnte uns der Hersteller für den Test keines der Module zur Verfügung stellen und wir konnten die Funktion nicht ausprobieren. Prinzipiell klingt das modulare Konzept super. Hegt man allerdings Liebe für viele Retro-Plattformen, wird das ein teurer Spaß, zumal sich schon das Basis-Gerät bei einem happigen Preis von 499 Euro in den gleichen Regionen bewegt wie PlayStation 5 und Xbox Series X. Das muss man sich tatsächlich erstmal auf der Zunge zergehen lassen und realisieren! Das Polymega richtet sich angesichts der Preisgestaltung also eher an eine gut betuchte Kundschaft oder Hardcore-Retro-Fans, die ihr Geld vielleicht lieber in alte statt moderne Spielerfahrungen investieren wollen. Selbst in Anbetracht der Tatsache, dass die Preise für alte Konsolen und Spiele bei Ebay & Co langsam anziehen und Polymega neben der ausgehebelten Regionalsperre noch andere Annehmlichkeiten mitbringt (dazu später mehr), erscheinen die angesetzten 499 Euro doch etwas zu hoch gegriffen und dürfte viele Fans vom Kauf abschrecken. Zusammen mit den Aufschlägen für weitere Module landet man schließlich endgültig in Preisregionen, in denen die Retro-Liebe der Vernunft und einem Kopfschütteln weichen muss.

Lieferumfang

Ein modulares System ermöglicht den Zukauf weiterer Komponenten, um die Kompatibilität zu weiteren Plattformen zu ermöglichen.
Aber was bekommt man überhaupt für sein Geld? Neben dem Basisgerät befinden sich noch ein Controller samt USB-Ladekabel (Typ B, 1m) und Wireless-Dongle, ein Standard-HDMI-Kabel (2m) sowie ein externes Netzteil in der Verpackung. Die Basis-Einheit bringt ein Gewicht von etwa einem Kilogramm auf die Waage, fällt trotz gleicher Bauhöhe aber einen Tick kleiner aus als das Ur-Modell der PlayStation 2. Während man an der Vorderseite im unteren Bereich das Slot-In-Laufwerk samt Auswurf-Taste, zwei USB-Eingänge und den Knopf zum Einschalten findet, gibt es auf der Rückseite den Eingang für das Netzteil, einen HDMI (1.4)-Ausgang, eine Buchse zum Anschließen eines LAN-Kabels und einen Leser für Micro-SD-Karten, mit denen man den internen Speicher erweitern kann. Dort ist eine Nano-SSD mit einer Kapazität von 32 Gigabyte verbaut. An der Unterseite findet man außerdem eine verschraubte Plastikabdeckung, hinter der sich Anschlussmöglichkeiten für moderne M.2 2280 SSDs verbergen. Neben den Lüftungsschlitzen an der Oberseite, rechts und der unteren Front treibt ein kleiner Ventilator auf der Rückseite die Luftzirkulation an. Das Betriebsgeräusch befindet sich etwa auf dem Niveau älterer Konsolen wie GameCube oder Dreamcast und fällt damit hörbar lauter aus als bei den aktuellen Konsolen von Sony und Microsoft. Befindet sich eine Disk im Laufwerk, steigt der Geräuschpegel noch etwas weiter an und wird mitunter sogar etwas unangenehm.

Ärgerlich: Zum einen dauert es ungewöhnlich lange, bis die CDs vom Laufwerk eingezogen werden. Tatsächlich muss man fast schon den kompletten Datenträger per Hand hinein schieben, bis der Einzug reagiert. Zum anderen lässt sich das System viel Zeit, bevor die Disk schließlich eingelesen wird und gestartet werden kann.

Riesige Datenbank

Im Idealfall läuft es dann so: Das entsprechende Spiel wird erkannt und anschließend erfolgreich mit der riesigen Datenbank abgeglichen, die zwar selbst für Exoten wie Autobahn Raser 2 einen passenden Eintrag hat, aber z.B. kein Ridge Racer kennt. Insgesamt wurden zwar die meisten getesteten Retro-Spiele in der Datenbank gefunden, doch gibt es trotzdem noch die eine oder andere Lücke. Das ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil man neben dem Blick auf englische Infotexte und Cover-Grafiken erst dann moderne Komfortfunktionen nutzen darf, wenn das eingelegte Spiel in besagter Datenbank geführt wird – allen voran das Speichern von Spielständen zu jedem Zeitpunkt, das Anfertigen von Screenshots und zusätzliche Controller-Features wie Turbofeuer. Gibt es dagegen keinen Eintrag, lässt sich der Titel lediglich ohne besagte Zusatzfunktionen starten. Darüber hinaus lassen sich sämtliche Spiele aus der Datenbank auf die interne Festplatte und externe Datenträger auslesen oder via USB-Stick mit Patches versorgen, die z.B. eine deutsche Übersetzung beinhalten können. Danach kann man seine Disk theoretisch für immer zurück in den Schrank packen, denn sie wird fortan nicht mal mehr zum Starten des installierten Abbilds benötigt. Darüber hinaus wird man nach einer Installation von der langen Disk-Erkennung verschont.

Die Datenbank weist zwar ein paar Lücken auf, überzeugt aber dennoch mit einem großen Umfang.
Wird hier etwa ein feuchter Traum der Kopierer-Szene wahr? Jein: Zum einen werden die Installationen in einem Format gespeichert, das nur von Polymega genutzt werden kann und eventuell sogar an die individuelle Konsole gebunden ist. Zum anderen lassen sich keine (illegalen) ROM-Dateien abspielen, wenn man versucht, die Konsole damit zu füttern. Auf der offiziellen Webseite betonen die Macher, dass man eher Partnerschaften mit den Spieleherstellern anstrebt, sich an Lizenzrechte halten will und Polymega nicht als Plattform für die illegale Nutzung von Spielen gedacht sei. Dennoch haben wir die Probe aufs Exempel gemacht und mussten feststellen: Den perfekten Unschuldsengel verkörpert Polymega nicht! Einfach hergestellte CD-Kopien spielte die Konsole genauso ab wie Originale und selbst im Hinblick auf Verknüpfungen zur Datenbank gab es keine Unterschiede. Damit ist Polymega eher vergleichbar mit modifizierten Original-Konsolen, in denen ein MOD-Chip seinerzeit ebenfalls Regionalsperren aushebelte und gleichzeitig das Abspielen von Kopien ermöglichte.   

Nur Software-Emulation

Ursprünglich verfolgte Playmaji bei seiner Retro-Konsole das Ziel, mittels FPGA-Technik (Field Programmable Gate Array) die Chips der Vorbilder auch hardwareseitig zu simulieren – genau wie es Analogue mit seinen Top-Nachbauten macht. Davon hat man sich aber mittlerweile verabschiedet: Polymega setzt auf eine reine Software-Emulation und hat dafür Lizenzabkommen mit Spezialisten wie Mednafen, Mesen, Kega Fusion und MAME geschlossen. Nach eigenen Angaben hat man zudem noch ein paar Bugs aus deren Programmcodes entfernt.

Ist ein Spiel in der Datenbank gelistet, darf man es installieren und fortan seine Datenträger schonen.
Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man tatsächlich glauben, hier wieder die Originalspiele von damals zu erleben - die Software-Emulation hinterlässt einen exzellenten Eindruck mit sauberer Darstellung und einem scharfen Bild! Das mag vor allem in Bezug auf Segas Saturn positiv überraschen, der bei den bisherigen Emulationsversuchen häufig Probleme bereitete und durch einen übermäßigen Hardware-Hunger aus der Reihe tanzte. Mit dem Intel Coffee Lake S Series Processor in Kombination mit 2GB DDR4 RAM scheint man sich aber für eine gute Hardware-Basis entschieden zu haben: Bis auf vereinzelte Mini-Aussetzer beim Ton liefen alle getesteten Saturn-Spiele originalgetreu auf dem Polymega, darunter Sega Rally, Nights Into Dreams, Panzer Dragoon, Tomb Raider, Tunnel B1 und Sega TouringCar Championship. Ausgewählte Titel von der PlayStation, Mega-CD, PC Engine und Neo Geo CD funktionierten ebenfalls einwandfrei. Nur einmal wollte das 8X CD/DVD-Laufwerk eine Disk erst nach dem Neustart des Systems wieder ausspucken. Für die Zukunft lässt Playmaji offen, ob man mit weiteren Modulen die ursprüngliche Idee der Hardware-Emulation wieder aufgreifen wird.      
 
Darstellungsoptionen

Bei der Bildausgabe hat man die Wahl zwischen einer Darstellung in 1080p/60 und – falls es das TV-Gerät unterstützt – 1080p/120. Darüber hinaus erhält man über eine Menüleiste nicht nur Zugriff auf die Screenshot- und Speicherfunktionen, sondern auch den virtuellen Bildschirm, wo man weitere Anpassungen an der Darstellung vornehmen darf. Dazu zählt das Seitenverhältnis, bei dem man die Wahl zwischen dem originalen 4:3-Format, diversen Zoom-Varianten sowie einem künstlich gestreckten 16:9-Vollbild hat.

Das Hauptmenü ist gut strukturiert.
Für mehr Retro-Flair lassen sich außerdem Filter aktivieren, mit denen die Darstellung an alten Röhrenfernsehern simuliert wird – Scanlines inklusive. Allerdings muss man in diesem Fall deutliche Abstriche bei der Helligkeit in Kauf nehmen. Wer sich statt der HDMI- für eine emulierte RGB-Ausgabe entscheidet, kann unter Umständen auf Anzeigefehler wie bläuliche Schatten stoßen - etwa, wenn das Bild durch einen AV Receiver durchgeschleift wird. Verbindet man das HDMI-Kabel direkt mit dem Fernseher, treten die Probleme nicht auf, die man aber ohnehin mit der Wahl auf den HDMI-Modus umgehen kann. In diesem Fall ist auch das Durchschleifen des Signals ohne Einbußen möglich.


Keine Original-Controller verwendbar

Im Gegensatz zu den Upgrade-Modulen, die mit proprietären Controller-Anschlüssen der jeweiligen Systeme ausgestattet sind, gibt es an der Basisstation lediglich zwei USB-Anschlüsse. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass sich keine Original-Controller von PlayStation, Saturn, Mega Drive und den anderen CD-Plattformen verwenden lassen. Enttäuschend: Selbst mit handelsüblichen USB-Adaptern können die Eingabegeräte nicht mit Polymega gekoppelt werden – so zumindest meine Erfahrung nach dem Versuch, neben Standard-Controllern von der PlayStation auch spezielle Varianten wie Namcos NegCon, ein altes Lenkrad oder einen Fight Stick über einen solchen Adapter mit der Retro-Konsole zu verbinden.

Immerhin: Einige der Controller von Classic Konsolen werden offiziell unterstützt, darunter der PS1 Classic Controller, die Pads vom Mega Drive Mini und der Neo Geo X Fight Stick. Darüber hinaus lassen sich auch diverse Modelle des Peripherie-Herstellers Retro-Bit verwenden, der unter anderem Controller-Nachbauten von Saturn und Mega Drive im Sortiment hat – und das alternativ sogar in kabellosen Varianten. Der Versuch, ein kabelgebundenes Mega-Drive-Pad von Retro-Bit an der Konsole zu registrieren, funktionierte einwandfrei und sogar die Bildschirmanzeigen wurden angepasst. Selbst der USB-Adapter von 8bitdo funktioniert in Kombination mit dem Polymega, so dass man unter anderem selbst One- und PS4-Controller verwenden kann. Der Haken an der Sache: Der Dongle wird in diesem Fall als PS1-Classic-Controller erkannt und Vibrationen werden genauso wenig unterstützt wie der Home-Button. Auswahl gibt es also genug, auch wenn es trotzdem schade bleibt, dass man selbst mit den entsprechenden USB-Adaptern nicht die Original-Hardware verwenden kann. Ich hatte mich schon so darauf gefreut, in Ridge Racer Revolution (zum Rückblick) wieder mit dem NegCon über die Pisten zu rasen...

Der Polymega-Controller


Aber es gibt ja noch den offiziellen Polymega-Controller, dessen Design sich mit symmetrischen Analogsticks und dem typischen Knopf-Layout offensichtlich an Sonys DualShock orientiert. Dank des mitgelieferten USB-Dongles kann er auch kabellos betrieben werden, wobei man im Gegensatz zu PS4, Xbox One oder Switch hier keinerlei Vorwarnung bekommt, sobald der Akku langsam zur Neige geht. Auffällig sind zwei zusätzliche Tasten, die im Zusammenhang mit der Turbo-Funktion zu Einsatz kommen. Persönlich hätte ich aber eher eine Screenshot-Taste oder die Möglichkeit zur individuellen Belegung bevorzugt, was aber leider nicht möglich ist.       

Der Polymega-Controller ist ganz okay und lässt sich mit dem mitgelieferten Dongle auch kabellos betreiben.
Überraschenderweise verfügt der Polymega-Controller sogar über Rumble-Motoren, die man aber nur selten in Aktion erleben wird. Warum? Beim Großteil der emulierten Systeme und Spiele gab es damals schlichtweg noch keine Controller-Vibrationen. Auch auf der ersten PlayStation hielt der DualShock bekanntlich erst etwa 1997 mit der Ankunft von Gran Turismo Einzug und wurde dann zunehmend von Herstellern unterstützt. Nutzt man diese Spiele am Polymega, spürt man also auch hier die Rumble-Effekte. Ebenfalls erfreulich: Eine störende Eingabeverzögerung ist während des Tests nicht aufgefallen. Trotzdem ist der gebotene Controller lediglich ordentlich, aber nicht überwältigend und wirkt qualitativ dem DualShock unterlegen. Hinzu kommt, dass man sich beim Design zwar am PlayStation-Controller orientiert, die Tastenbezeichnung aber dem typischen Xbox-Layout entspricht. Während man diesen Umstand beim Spielen von Sony-Titeln einfach ignorieren kann, fällt es bei anderen Plattformen aufgrund der veränderten Architektur deutlich schwerer, sich mit dem Polymega-Pendant anzufreunden. Zudem zeigt sich einmal mehr, dass Playmaji und Worldwide Distribution bei der Preisgestaltung übers Ziel hinaus schießen: Zwar ist ein Controller im Lieferumfang enthalten, doch verlangt man für jeden weiteren eine stattliche Summe von 79,99 Euro – gefühlt wären dagegen höchsten zwischen 40 und 50 Euro angemessen.  

Das Comeback der Lightgun?

Eine Lichtpistole soll demnächst ebenfalls erhältlich sein - für mehr als 100 Dollar!
Für die Zukunft hat Playmaji schon Pläne für weitere Peripherie angekündigt: In Kooperation mit Sinden Technology plant man eine neue Lichtpistole, die an modernen Fernsehern funktionieren und das authentische Flair von Virtua Cop, Die Hard Trilogy & Co zurückbringen soll. Man darf gespannt sein, sollte sich aber nicht zu früh freuen, denn der angepeilte Preis von 109 Dollar erweist sich schon im Vorfeld als Spielverderber. Zudem hofft man, nach Verhandlungen mit Herstellern und Publishern demnächst auch einen Online-Store anbieten zu können, in dem man die Oldies direkt kaufen und auf dem System installieren kann. Selbst von möglichen Streaming-Optionen ist die Rede. Mit dem LAN-Anschluss und dem eingebauten WLAN-Modul sind die Grundlagen dafür bereits gelegt, doch aktuell dient die Verbindung ins Internet lediglich dem Download von System-Updates. Profile oder Community-Funktionen, um sich mit anderen Spielern zu vernetzen oder auszutauschen, gibt es nicht.


Gute Übersicht

Das Betriebssystem basiert auf Linux und bietet eine funktionale grafische Oberfläche im Stil von Netflix oder Xbox Live. Spiele werden automatisch den entsprechenden Systemen zugeordnet, was grundsätzlich schon für eine gewisse Ordnung sorgt. Darüber hinaus gibt es diverse Such- und Sortierungsoptionen. Die zuletzt gespielten Titel werden außerdem in einer Liste geführt, so dass man sie schnell fortsetzen kann. Darüber hinaus ist es möglich, eigene Listen mit Spielen anzulegen, sofern sie in der Datenbank geführt werden. Über den Hauptbildschirm erhält man durch die Schnellnavigation auf der linken Seite außerdem Zugriff auf seine Medien. Leider ist es aktuell nur möglich, Screenshots festzuhalten. Video-Clips können nicht aufgenommen werden.

Spielepaket inklusive?

Auf unserem Testgerät waren bereits diverse Spiele vorinstalliert, darunter vornehmlich Hobby-Projekte, die z.B. mit dem NES Maker erstellt wurden. Allerdings fand sich auch das eine oder andere kommerzielle Spiel in der Sammlung, darunter die PlayStation-Action Viper und die japanischen Versionen der beiden Top-Gear-Spiele für das Super Nintendo / Super Famicom. Beim Blick auf die offizielle Webseite ist von einem Bonus-Paket an digitalen Spielen die Rede, dessen Inhalt sich nur teilweise mit unserem Testgerät deckt. Demnach erhält man:

40 Winks (PS1 - NA Version)
Viper (PS1 - PAL Version)
Iron Commando (SNES - NA Version, SFC Version)
Top Racer (SFC - JP Version)
Rescue: The Embassy Mission (NES - NA Version)
Battle Squadron (Genesis - NA Version)   

Kein genauer Releasetermin

Auf der Rückseite gibt es neben üblichen Anschlüssen auch einen Kartenleser für MicroSD.
Ein Fragezeichen steht nach diversen Verschiebungen immer noch hinter dem konkreten Veröffentlichungsdatum: Beim deutschen Vertrieb Worldwide Distribution heißt es, dass Polymega noch im Februar 2021 erscheinen soll. Da der Monat sich langsam dem Ende neigt, ist es ungewöhnlich, dass immer noch kein konkreter Termin genannt wird. Beim Blick auf die offizielle Polymega-Webseite bekommt man lediglich folgende Info: Alle Vorbestellungen, die nach dem 24. Januar 2021 eingegangen sind, sollen ihre Konsole erst im dritten Quartal 2021 in Emfang nehmen dürfen.

Fazit

Ich bin sehr angetan von Polymega: Die Emulation hinterlässt einen hervorragenden Eindruck, moderne Funktionen wie Spiele-Installation und Speichermöglichkeiten sind tolle Ergänzungen und dank des Verzichts auf Regionalsperren bleibt auch die Import-Bibliothek nicht außen vor. Darüber hinaus wirkt die Bedienoberfläche durchdacht und aufgeräumt, während die Datenbank zwar ein paar Lücken aufweist, aber mit einem gewaltigen Umfang beeindruckt. Schade dagegen, dass man die Original-Controller nicht einmal per USB-Adapter an der Basis-Station anschließen darf und uns der Hersteller leider keines der Modul-Upgrades zur Verfügung stellen konnte, mit denen die Kompatibilität gegen entsprechende Aufpreise noch weiter ausgebaut werden darf. Aber hier sind wir schon beim größten Negativpunkt von Polymega: Die Preisgestaltung ist schlichtweg zu heftig! Man mag es zunächst kaum glauben, aber dieser Retro-Kasten bewegt sich schon in der Basis-Ausstattung in Preisregionen von PlayStation 5 und Xbox Series X! Bei aller Retro-Liebe: Da wird dann doch ziemlich deutlich eine Schmerzgrenze überschritten – vor allem im Hinblick darauf, dass die überzeugende Emulation hier „nur“ auf Software beruht, während die starke Analogue-Konkurrenz auf Hardware-Komponenten setzt. Hinzu kommt, dass ich früher Polygongrafik heute nicht mehr allzu viel abgewinnen kann. Im Gegensatz zu 2D-Abenteuern sind frühe 3D-Welten in meinen Augen deutlich schlechter gealtert. Das spielt für unsere Bewertung zusammen mit dem Preis aber nur eine untergeordnete Rolle: Das, was Polymega machen will, nämlich die möglichst genaue Emulation diverser Retro-Systeme, macht es ausgesprochen gut und bekommt daher die entsprechende Wertung.

Wertung: gut

Wertung

Spielkultur

Das Polymega ist eine tolle Retro-Konsole mit großartiger Software-Emulation, die viele Systeme vereint und sich durch Module aufrüsten lässt. Der hohe Preis wirkt jedoch abschreckend.

Kommentare
Bussiebaer

Guckst du, Suchmaschinenverweigerer:
https://www.analogue.co/

vor 15 Tagen
Apokh

Man muss sich allerdings auch nicht die Analogue-Konsolen schönrechnen. Billig sind die beim besten Willen nicht.
Analoge Konsolen ? Was sollen das sein? Sport- und Spielplätze?

vor 15 Tagen
Bussiebaer

Warum sollte man sich zu so einer Box entscheiden wenn es auch den Raspberry Pie mit All-in-one Emulatoren gibt?
Komfort (bei mir zumindest). Habs mit Raspberry 3 probiert, und meist hat irgendwas nicht funktioniert. Controller wurde nicht mehr erkannt, Tastenbelegung musste erst angepaßt werden, ... Hatte schnell keine Lust mehr mich da mehr rein zu pfrimeln, wenn ich doch nur kurz ne halbe Stunde Street of Rage oder so zocken wollte.

Jetzt stehen hier die Analogue-Geräte für Megadrive und SNES. Anstecken und los legen. Warte nur noch darauf daß es das Pocket-Gerät endlich zu bestellen gibt, die Displays von meinen Gameboys sind nicht die besten.

Passende Modul reinstecken gehört für mich dabei auch zum "Spielerlebnis" dazu, das kitzelt bei mir den Nostaglie-Nerv sehr. Ein Grund, warum ich die meisten Spiele auf der Switch als Retail habe...

Zuletzt bearbeitet vor 21 Tagen

vor 21 Tagen
v3to

@Marvel:
Ich hatte den Text vorher schon auf das Adapter-Set (für GameGear und MarkIII) korrigiert, weil ich das selbst gesehen habe.

Das Polymega wäre vermutlich als FPGA-Konsole so gar nicht umsetzbar gewesen. Bzw... was zu beweisen wäre. Momentan wird ja wohl an einem Saturn-Core für MISTer gearbeitet, wobei immer noch diskutiert wird, ob ansatzweise bezahlbare FPGAs über genügend Logikgatter verfügen. Die gleiche Thema besteht wohl auch bezogen auf die PS1. Kann man dem Hersteller sicher auch vorwerfen, dass er den Mund zu voll genommen hat. Jedenfalls ist ein benutzbares Produkt rausgekommen.

Beim Polymega sehe ich dennoch die Edel-Ausführung einer Emulationskonsole, die soweit hält, was sie auf Papier verspricht. Das mit dem Aufschlag für den deutschen Vertrieb - Zoll und Steuer löst sich ja nicht auf und eine gewisse Handelsspanne steht dem Händler auch zu.

Teuer ist meiner Ansicht nach eh sehr relativ bei solcher Nischenhardware. Warum kostet ein aktuelles GPD Win 700 bis 800€, wo der Vorgänger bei weniger als der Hälfte lag? Ich habe hier ein C64 Reloaded MK2 stehen, was mit Gehäuse, Chips und 1541U2+ etwa 500€ kostet. Man hätte auch einen FPGA-C64 nehmen können, dann wäre das 150€ billiger oder gleich eine TheC64-Emuvariante für 90€... Jedem wie er mag.

Ob die Lightgun zu teuer ist oder nicht, habe ich keine Meinung zu. Ich habe vor einiger Zeit noch eine andere Crowdfunding-Kampagne zu einer anderen modernen Lightgun gesehen und meine, die wurde mit 120€ veranschlagt. Kann mich aber auch irren.

Zuletzt bearbeitet vor 22 Tagen

vor 22 Tagen
Seppel21

Am 12. März 2012 wurde offiziell mitgeteilt, dass GOG nicht mehr für "Good Old Games" steht. GOG heisst seitdem nur noch GOG. Das ist jetzt fast 9 Jahre her, aber offensichtlich immer noch nicht bei jedem angekommen.

Zuletzt bearbeitet vor 22 Tagen

vor 22 Tagen