Systemvoraussetzungen
Um We Were Here zu spielen, braucht es zunächst einmal zwei Parteien, die willens sind, sich für circa zwei Stunden kooperativ durch die Gemächer, Flure und Hallen einer düsteren Burg zu knobeln. Via Splitscreen funktioniert das nicht, dafür braucht es schon zwei PS4- bzw. PS5-Konsolen (mit PS-Plus-Abo) und eine räumliche Trennung der Spielpartner - denn das Konzept beruht darauf, dass sich die Online-Spieler nur hören, aber eben nicht dasselbe zu sehen bekommen. Zur Kommunikation nutzt man den Voice-Chat der Konsole, im Spiel finden nämlich beide Seiten ein Walkie-Talkie und können fortan darüber miteinander kommunizieren. Wildes Durcheinanderplappern ist damit nicht möglich - es ist stets nur ein Kanal offen. Wer es gerne etwas komfortabler möchte, der kann natürlich auch jedes andere Audio-Tool wie z.B. Discord nutzen. Ich selbst saß beim Spielen zusammen mit meiner Freundin auf der Couch, während wir einem befreundeten Päärchen via Skype ins Gesicht, aber natürlich nicht deren Bildschirm sahen - auch das funktioniert wunderbar und fügt dem Spielerlebnis noch manch belämmerten Gesichtsausdruck hinzu.
Escape Room
Im echten Leben habe ich bereits etliche Escape Rooms gespielt und mir auch schon mit Brettspiel- oder Büchervarianten unterhaltsame Abende verschafft - und meine daher, We Were Here recht gut einordnen zu können. Der Titel erinnert mit seinen Aufgaben und dem Herumraten- und Ausprobieren-Ansatz tatsächlich an einen Escape Room, aber gepaart mit manch klassischer Adventure-Mechanik. Das ist ein schöner Ansatz, der auch ungeübte Spieler mitnimmt - weil die meisten Aufgaben ohne Zeitdruck auskommen oder aber beim Scheitern an einem Raum unbegrenzte Neustarts möglich sind. Im Videospielsektor kenne ich tatsächlich kaum etwas Vergleichbares: In den The Room-Spielen sind die Rätsel viel besser und hübscher aufbereitet, dafür ist kooperatives Rätselraten aber stets dadurch eingeschränkt, dass eben nur ein Spieler die Aktionen ausführt. Auch das gemeinsame VR-Bombenentschärfen in Keep Talking and Nobody Explodes geht in puncto Spieldynamik und Tempo in eine andere Richtung.
Fazit
We Were Here ist ein unverbrauchtes Adventure-Konzept und bietet zum kleinen Preis die Möglichkeit, einen unterhaltsamen Abend mit Freunden zu verbringen - aktuell sicher eine lohnende Aussicht im von der Covid-Pandemie geprägten Alltag. Allerdings sind weder ein gutes Spieldesign noch besonders coole Rätsel der Grund dafür, vielmehr macht das reine Konzept des Herumlaufens in anderen Räumen, während man per Audio kommuniziert, den Reiz aus. Klasse Idee, gerade noch ordentlich umgesetzt - lautet daher mein Fazit. Die technische Tristesse kann man auch als von PS5 oder Xbox Series X verwöhnter Zocker noch ignorieren - immerhin funktioniert das Online-Erlebnis flüssig und ohne Abbrüche. Ein bisschen mehr an Geschichte oder spannendem Weltdesign, ein paar optionale Hilfestellungen oder schlicht coole Aha-Momente bei den Kopfnüssen hätten es aber schon sein dürfen. Wenn mir langweilig wird, gebe ich Teil 2 und 3 noch eine Chance, große Lust darauf habe ich aber nicht.
Pro
- unverbrauchtes Konzept
- ein paar nette Rätsel-Ideen
- Online-Partien laufen flüssig und ohne Abbrüche
- Spielfilmlänge gut für einen Päärchenabend geeignet
Kontra
- Steuerung geht in Ordnung, könnte aber flotter sein
- sehr grobschlächtige Grafik ohne Charme
- Rätsel
- und Aufgabenqualität durchwachsen
- ziemlich leblose Atmosphäre
- mit zufälligen Online-Spielern eine Herausforderung
- kaum Spieloptionen und -einstellungen
Echtgeldtransaktionen
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