...oder auch einloggen für Einstellungen und PUR
Minit Fun Racer
01.03.2021, Matthias Schmid

Im Test: Das 10-Sekunden-Rennspiel

Das muss man sich erstmal trauen: Devolver Digital veröffentlicht einen minimalistischen Funracer als Spin-off zum Indie-Geheimtipp Minit. Wie lange die Endloser-Raser-Mechanik an den Schirm fesselt und wer an dem Spiel etwas verdient, verrät der Test von Minit Fun Racer.

Zocken für den guten Zweck


Ein kleines, charmantes PC-Rennspiel, für das man knapp drei Euro (oder freiwillig ein bisschen mehr) ausgibt und dessen Erlös komplett für wohltätige Zwecke verwendet wird? Klingt nach einer super Sache. Leider bleiben die Macher auf Steam sowie der offiziellen Webseite eine Angabe schuldig, an welche Organisation das Geld fließt. Erst auf Nachfrage teilte Macher Jan Willem Nijman via Twitter mit, dass zuerst zwei Projekte davon profitieren: Ärzte ohne Grenzen und Special Effect, eine Stiftung, die Menschen mit Behinderung hilft, Spaß an Videospielen zu haben. Versteht mich nicht falsch, ich halte das Konzept für super und dies soll kein Angriff oder gar eine Unterstellung sein. Aber ich finde es einfach nur für schade und unverständlich, dass man versäumt hat, darauf hinzuweisen, welche Projekte von Minit Fun Racer profitieren - könnte dies doch eventuelle Spender noch stärker motivieren.

 

Doch genug der Nörgelei - was habe ich hier vor mir? Einen seitlich scrollenden Endlos-Raser, der im liebreizenden Schwarz-Weiß-Universum von Minit angesiedelt ist. Wie praktisch, dass ich diese kleine Indieperle gespielt und genossen habe - so kann ich mit der extrem minimalistischen Grafik gleich etwas anfangen. Kochte Minit das Zelda-Prinzip auf handliche Minuten-Happen herunter, wo man mit jedem Versuch ein bisschen mehr der pfiffigen 2D-Welt erkunden konnte, widmet sich Minit Fun Racer dem - Überraschung - Rennspiel.

 

Shopping-Zeit: Nach jedem Lauf kann man den Laden besuchen und die erbeuteten Münzen in Upgrades verwandeln.
Auf einem Roller und mit nur zehn mageren Sekunden auf der Uhr, gilt es, soweit wie möglich von links nach rechts durch das grobpixelige Land zu tuckern. Der jedes Mal neu generierte Hindernis-Parcour voller Schrott-Vehikel und liegen gebliebener LKWs will pixelgenau durchfahren werden - kleinere Objekte kosten nur Geschwindigkeit, ein Crash mit einer der Blechleichen bereitet dem aktuellen Versuch ein jähes Ende. Während jedes Runs sammelt man durch Darüberfahren Münzen auf - bald ist das virtuelle Portemonnaie so gut gefüllt, dass sich ein Besuch im Shop lohnt. Dort gibt es lauter schöne Dinge: Ein Helm lässt meinen Pixelpiloten einen Frontalzusammenstoß überstehen, eine Turbo erhöht die Geschwindigkeit, ein Münzenmagnet macht künftige Fahrten noch lohnenswerter, ein Lenk-Upgrade lässt mich die tödlichen Hindernisse noch eleganter umkurven. Am besten und wichtigsten sind aber zwei Upgrades: Das eine verwandelt die bislang störenden Mülltonnen in Boost-Schübe, das andere sorgt, dafür, dass jede aufgesammelte Münze mein Zeitkonto ein bisschen erhöht - so kann ich länger und damit auch weiter durch das monochrome Land düsen.

 

Nur fast endlos

 

So sieht Minit Fun Racer aus - die Spielfigur auf ihrem Roller tuckert gerade links oben im Bild auf zwei Münzen zu.
Was genau passiert, wenn man aufgerüstet und geschickt genug ist, um bis zu einem bestimmten Punkt zu gelangen, verrate ich natürlich nicht. Aber es gibt einen festen Zielpunkt, und obendrein die Möglichkeit, dann sogar in eine zweite oder dritte Runde zu starten. Während die sehr simple Steuerung keine Wünsche offen lässt, habe ich mich manchmal darüber geärgert, dass man aufgrund der Perspektive schlecht abschätzen kann, ob man knapp über einem Hindernis noch durchpasst - das sorgt für manches abrupte Ende, mindert den generellen Spaßfaktor aber kaum. Leider hat man schon nach circa 60 Minuten Spielzeit alle Upgrades herausgespielt - und versucht fortan nur noch, die (teils lustigen) Erfolge zu erfüllen. Hier hätten ein paar zusätzliche Fahrzeuge, weitere Upgrades, andere Strecken oder Grafikfilter den Langzeitspaß dramatisch erhöhen können, ohne das simpel-spaßige Grundprinzip zu verwässern.

Fazit

Ein süßes kleines Spielchen, das man einfach mögen muss. Nur eine höhere Wertung kann ich leider nicht spendieren - dafür wird schlicht zu wenig geboten. Die Grafik ist minimalistisch und auf ihre Weise sogar hübsch, die Steuerung super und das Upgrade-System hat mich eine Stunde lang motiviert. Aber dann? Dann war die Luft raus. An ein paar Erfolgen, die ich im bisherigen Spielverlauf nicht automatisch erhalten hatte, habe ich mich noch versucht, bei der Langzeitmotivation wäre meiner Meinung nach viel mehr drin gewesen: Warum nicht ein paar, ebenfalls nur zweifarbige Filter für die Grafik, wie es andere Indietitel vorgemacht haben? Oder ein halbes Dutzend andere Vehikel (Fahrrad, Superbike, Einrad, Esel?), die minimale Vor- oder Nachteile mit sich bringen. So hätten die weiterhin verdienten Münzen einen Zweck gehabt und man hätte aus einem harmlosen einstündigen Retro-Happen ein dreistündiges Pixel-Menü mit etwas mehr Fleisch auf den Rippen zaubern können.

Pro

  • niedliche, grobpixelige Schwarz-Weiß-Grafik
  • motivierendes Münzen-Sammeln
  • das Fahren und Ausweichen macht Spaß
  • ein paar pfiffige Extras im Shop
  • charmante Anspielungen an Minit
  • reichlich Technik-, Auflösungs- und Bildrateneinstellungen
  • Erlös geht an einen guten Zweck
  • Soundtrack dudelt sich ins Ohr

Kontra

  • leider nur eine Strecke
  • leider nur ein Vehikel
  • auch mehr Upgrades hätten dem Spiel gutgetan
  • nach einer Stunde alle Verbesserungen freigeschaltet

Wertung

PC

Charmanter, minimalistischer Endlos-Raser, der 90 Minuten lang für harmlosen Spaß sorgt - dann ist die Luft leider raus.

Echtgeldtransaktionen

Wie negativ wirken sich zusätzliche Käufe auf das Spielerlebnis, die Mechanik oder die Wertung aus?

Gar Nicht
Leicht
Mittel
Stark
Extrem
  • Es gibt keine Käufe.
Kommentare
Tas Mania

Die Grafik aber hey wenn die Qualität stimmen würde.

vor 14 Tagen
ISuckUSuckMore

wäre schön für ios!

vor 15 Tagen
JudgeMeByMyJumper

Interessantes Konzept. Hmm, weiß nicht so recht, was ich davon halten soll, aber Filter und andere Sachen zum Freischalten würden sich hier wirklich wie die Faust aufs Auge anbieten. Und wenn es nur für ein paar weitere Spielereien ist, wie zB die enorme Anzahl an Möglichkeiten bei den Uncharted Spielen, welche die Level in ganz anderem Licht erscheinen lässt. Das habe ich immer sehr genossen und würde dieses Spiel auch bereichern.

vor 15 Tagen