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#DRIVE
03.03.2021, Matthias Schmid

Im Test: Endlos-Raser für Auto-Liebhaber

Auf einer Landstraße entspannt in den Sonnenuntergang cruisen und dabei kultige Autos und neue Strecken freischalten. Klingt das für euch nach einer launigen Freizeitbeschäftigung, dann seid ihr bei #DRIVE richtig. Im Test beim 4Players-TÜV prüfen wir den Spielspaß des stylischen Endlos-Rasers.

Jetzt neu auf Switch


Mobilspieler düsen schon seit fast zwei Jahren über die endlosen Straßen von #DRIVE, seit kurzer Zeit ist auch eine Version für Switch erhältlich. Bevor ich auf die spielerischen Eigenschaften eingehe, ein paar Worte zum Finanziellen: Auf Switch schlägt #DRIVE elf Euro zu Buche, dafür ist das Spiel frei von Mikrotransaktionen oder dem Angebot, sich durch das Ansehen von Werbeclips zusätzliche Credits zu verdienen. Auf Android oder iOS kostet die erkaufte Werbefreiheit 3,59 Euro; die Versuchung, durch Credits, die man mit Echtgeld erwirbt, schneller an neue Autos zu gelangen, besteht aber weiterhin. Ein Beispiel: 60.000 Einheiten kosten 4,19 Euro - damit kann man sich ca. 15 mickrige oder vier sehr coole Schlitten sowie eine neue Strecke leisten. Das sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt, denn den Großteil meiner Zeit mit #DRIVE habe ich auf der Switch verbracht, wo es diese Unsitte nicht gibt.

 

Neue Autos freizuspielen, ist das Beste an #DRIVE - die Vehikel werden hübsch in virtuellen Schaukästen präsentiert.
Simulationsfreunde ergreifen sofort die Flucht, aber selbst Arcaderaser könnten sich angesichts des sehr geringen Anspruchs von #DRIVE unterfordert fühlen: Das Fahrzeug bewegt sich nämlich automatisch vorwärts, man kann lediglich bremsen (aber immer nur kurz, dann folgt eine Cooldown-Phase) oder driften. Und natürlich nach links und rechts lenken: Nach kurzer Eingewöhnungsphase bin ich mit der Stick-Steuerung gut zurechtgekommen, es gibt aber auch eine Steuer-Variante, wo man die Richtungsänderung via Schultertasten befiehlt. Das erinnert an die Links-rechts-Daumentipp-Steuerung der Handy-Version, ist auf Dauer aber der Lenkung via Stick unterlegen. Fühlen sich viele Vehikel anfangs etwas schwammig und schlingerig an, kommt man mit dem Fahrverhalten rasch besser klar und schafft dann sehr lange Fahrten, ohne ständig in die Leitplanken zu rempeln oder andere Verkehrsteilnehmer zu touchieren.

 

Donuts für die Polizei

 

Vorsicht, Gegenverkehr. Erstaunlicherweise kollidiert man im Spielverlauf aber öfter mit Autos, die in derselben Richtung unterwegs sind, wie man selbst.
Also tuckert man eben mit seinem Auto, z.B. einem kantigen Kompaktwagen, der dem Golf I nachempfunden ist, durch die Pampa, weicht dem Verkehr aus, sammelt Kronkorken ein und muss für vier Dinge regelmäßig eine Art Parkbucht am Rand durchfahren: Erstens gibt es dort neuen Sprit, weil das zur Neige gehende Benzin sonst eure Fahrt beendet, zweitens eine Blitz-Reparatur, weil zu viele Berührungen der Leitplanke ebenfalls zum Aus führen. Der dritte Grund, kurz rechts oder links auszuscheren, ist das Aufsammeln einer landestypischen Leckerei (Donut, Sushi, Brezel, Croissant, etc.), die automatisch nach hinten geworfen wird, wenn sich die Polizei an eure Fersen heftet. Das passiert regelmäßig auf den endlosen Schleifen (nach einer Zeit wiederholt sich die Umgebung), hat aber auch ohne Donut-Einsatz keine großen Konsequenzen. Die Polente hängt euch zwar eine Weile im Nacken, rempelt leicht ins Heck und nervt mit ihrer Sirene - echte Verfolgungsjagden samt des dazugehörigen Thrills gibt es aber nicht. Ach ja: Die vierte Option am Streckenrand ist ein Zufalls-Item, das kurzfristig den Spielablauf verändert - mal tauchen mehr Kronkorken auf der Strecke auf, mal wird das Fahrtempo halbiert, mal darf man mit einem Pflug-Upgrade andere Autos rammen.

Kleine Weltreise

 

Je nach Strecke ändert sich die Häufigkeit der zerstörbaren Randobjekte (daraus purzeln auch Kronkorken) sowie ein paar kleinere Gefahrstellen (Bahn-Überführung, kreuzender Traktor) - generell geht es aber stets abwechselnd durch urbane und durch ländliche Abschnitte. Scharfe, schwierige Kurven gibt es dabei nie, die Streckenführung dürfte angesichts des überschaubaren Spieltempos ruhig anspruchsvoller und peppiger sein. Und so versucht man dann, immer längere Ausflüge zu unternehmen (Highscore!), Unfälle zu vermeiden und viele Korken aufzusammeln. Wofür? Zum Freischalten neuer Autos und Strecken. Lange Fahrten bescheren euch auch mehr Postkarten, die man braucht, um Kurse zu kaufen: Nach der Startstrecke in einer US-Wüste geht es später durchs verschneite England, über deutsche Landstraßen, durchs japanische Bergland oder in eine futuristische Stadt. Im Schnitt schaltet man circa alle 20 bis 30 Minuten eine neue Location frei - leider gibt es davon insgesamt nur sieben Stück.

 

Starker Fuhrpark

 

Netter Bonus: Im Foto-Modus (der aber mit umständlicher Handhabe nervt) macht ihr Schnappschüsse eurer Vehikel.
Fahrzeuge haben die Entwickler dafür 100 eingebaut - die müssen zwar allesamt ohne Lizenzen auskommen, haben dafür aber einfallsreiche Namen wie "Das Satanwagen", "The Old Moustache" oder "La Croquedame". Wer dem Automobil zugetan ist, möchte viele der charmant-klobig modellierten Schlitten ausprobieren: formschöne Straßenkreuzer, knautschige Busse oder süße Isetta-Minis gibt es ebenso wie Supersportwagen, aufgemotzte Polizeiwagen oder biedere Familienkutschen. BMW- oder VW-Fans finden genauso etwas wie Porsche-Liebhaber oder Freunde von Oldtimern und japanischen Kultautos - für mich waren die vielen Autos das größte Motivationsmoment im Spiel. Zumal von jeder Karosse vier Farbvarianten und eine lässig getunte Alternativ-Version in der virtuellen Garage stehen - natürlich kostet auch das Kronkorken. Die Preise der Vehikel variieren zwischen 1.000 und 30.000 Korken - für letztere Summe muss man schon mal ein halbes Stündchen spielen. Und man sollte bevorzugt die Strecken in Deutschland oder Japan (Holzberg, Tofuyama) wählen - denn dort lässt sich die brüchige Randbebauung am leichtesten in klingende Korken verwandeln. Dass ein paar der Fahrzeuge nur durch das Erfüllen von Zusatzbedingungen in euren Fuhrpark wandern (z.B. Donuts sammeln) sorgt für geringfügige Abwechslung, im Grund dreht sich in #DRIVE aber trotzdem alles um das Fahren von Kilometer um Kilometer, um sich letztlich neue Autos leisten zu können.

 

Auf dem Mobiltelefon erinnert der Bildausschnitt noch mehr ans Kinoformat.
Leider ist die Bildrate auf der Switch zäher und behäbiger als auf meinem in die Jahren gekommenen Android-Handy - das Spiel ruckelt zwar nicht richtig, aber das leicht zuckelnde Vorbeirauschen von Häusern, Laternen & Co. ist unschön. Im Handheld-Modus fällt das deutlich weniger auf - weil die Randbebauung eben nicht so riesig an mir vorüberzieht wie auf dem heimischen 65-Zoll-Fernseher. Auch die eigentlich recht gelungene, stylisch-reduzierte Umgebungsgrafik leidet am TV merklich unter unsauberen Kanten und Flimmern. Das wirkt im Mobilbetrieb auf der Switch sauberer, den besten grafischen Gesamteindruck hat aber leider trotzdem die Smartphone-Version.

Fazit

Ich habe ein paar nette Stunden mit #DRIVE auf meiner Switch verbracht und mich über die vielen cool modellierten Schlitten gefreut, muss aber schon sagen, dass mir der geringe Anspruch und das auf Dauer monotone Fahren das Gefühl vermittelten, dieses Spiel wäre als Zeitvertreib während einer Zugfahrt oder (Corona-konform) eines öden Zoom-Meetings besser aufgehoben als auf der heimischen Full-HD-Glotze. Die Stick-Steuerung und das Fehlen von Mikrotransaktionen macht die Switch-Version eigentlich zur besseren Fassung, allerdings kann ich die unsaubere Bildrate nicht ausblenden - so eine Grafik muss doch auch auf einer Switch laufen wie geschmiert, z.B. hat das sogar das deutlich aufwändigere GRID Autosport besser hinbekommen. Deshalb liegen Switch- und Android-Fassung auf unserer Wertungsskala nicht so weit auseinander wie man das angesichts von Werbung und Mikrotransaktionen denken würde.

Pro

  • sehr entspanntes Fahren
  • freispielbare Fahrzeuge motivieren
  • schöner, reduzierter Grafikstil
  • das nur noch ein Versuch-Prinzip wirkt
  • lustige Autonamen

Kontra

  • kaum spielerische Abwechslung
  • nur sieben Strecken
  • Streckenlayout zu bieder
  • Werbeeinblendungen & Mikrotransaktionen (Android)
  • keine flüssige Bildrate (Switch)
  • Polizei macht so gut wie nichts
  • nervige Fahrstuhlmusik im Menü

Wertung

Switch

Spielerisch monotoner Endlos-Raser mit charmanter Optik und vielen coolen freispielbaren Autos - ein harmloser Zeitvertreib, aber kein richtig gutes Rennspiel.

Android

Spielerisch monotoner Endlos-Raser mit charmanter Optik und vielen coolen freispielbaren Autos - die Android-Version nervt mit Werbung und Mikrotransaktionen.

Echtgeldtransaktionen

Wie negativ wirken sich zusätzliche Käufe auf das Spielerlebnis, die Mechanik oder die Wertung aus?

Gar Nicht
Leicht
Mittel
Stark
Extrem
  • Wichtig: Diese Käufe gibt es nur in den Fassung für Android (und iOS). Außerdem nerven hier Werbeeinblendungen, die Werbefreiheit kostet mobil 3,59 Euro.
  • Es gibt Käufe für Fähigkeiten, Karten, Figuren, Waffen, Geld, XP oder Spielmodi.
  • Man kann die Spielzeit über Käufe verkürzen, Pay-to-Shortcut.
Kommentare
JudgeMeByMyJumper

4players meets Ausfahrt TV. Aber wo man ob dieser Testcombo zurecht das cruisigste und vllt beste Spiel seiner Zunft erwarten würde, kommt nur ein stotternder Zweitakter heraus...

vor 13 Tagen
LouisLoiselle

Sieht aus wie die Landstraßen-Version von Art of Rally, welches ich schon recht gern mochte.

vor 14 Tagen