Taito Milestones - Test, Arcade-Action, Switch

Taito Milestones
20.04.2022, Matthias Schmid

Test: Taito Milestones

Ein Meilenstein der Lieblosigkeit

„Zehn bahnbrechende Klassiker aus Taitos Spielhallenschatzkammer“ verspricht diese Switch-Collection. Aber sie verschweigt, dass die Sammlung an Lieblosigkeit und Extra-Armut kaum zu überbieten ist. Außerdem schrammt sie hauchzart an einer Themaverfehlung vorbei. Was das alles zu bedeuten hat, erfahrt ihr im Test.

Taito ist richtig alt. Als Taito Trading Corporation war die Firma in den 50er Jahren ein Vodka-Produzent, später möbelte man gebrauchte US-Jukeboxen wieder auf und fasste über Flipper und andere elektronisch-mechanische Spielgeräte in den 1960er Jahren Fuß in der Arcadebranche. Schon 1973 gab es die ersten Taito-Videospiele in der Spielhalle – vor allem Sportgames nach Pong-Machart –, und spätestens 1978 war der Name des Tokioter Unternehmens in aller Munde. Denn in diesem Jahr erschien Space Invaders. Seit 2005 gehört Taito, das nicht nur selbst Spiele entwickelt, sondern in Japan auch sehr viele Arcade-Niederlassungen betreibt, übrigens zu Square Enix. Doch bleiben wir noch kurz bei Space Invaders, dem unstreitbar größten Taito-Hit, das mit seinen ikonischen Figuren auch Einzug in die Popkultur hielt.

1981 bis 1987

Ein bisschen niedlich, aber die Steuerung ist nicht optimal: Chack'n Pop aus dem Jahr 1983.
Möchte man also nicht meinen, dass jenes Space Invaders Teil einer Sammlung namens Taito Milestones (ab 14,99€ bei kaufen) sein sollte? Tja, meinen möchten kann man viel, der Titel fehlt aber. Genauso wie Bubble Bobble. Oder Arkanoid. Oder Darius. Jene Sternstunden, als sich Taito aus der Grauzone erhob und ins Licht der Videospielgeschichte trat, wo sich sonst viel öfter Nintendo, Capcom, Atari, Sega oder Konami sonnten. All diese, ja Meilensteine, fehlen in der Milestones-Sammlung. Ein denkbar schlechter Start, ja fast eine Themaverfehlung. Doch wie sieht es mit den vorhandenen Titeln aus? Welche zehn Taito-Legenden haben es auf das Switch-Modul geschafft?

Es sind: Qix (1981), Space Seeker (1981), Alpine Ski (1982), Front Line (1982), Wild Western (1982), Chack’n Pop (1983), Elevator Action (1983), The FairyLand Story (1985), Haley’s Comet (1986) und The Ninja Warriors (1987). Und jetzt mal ehrlich, mit viel gutem Willen sind da zwei Dinger dabei, die einer breiteren Spielerschaft bekannt sind, nämlich Elevator Action und The Ninja Warriors. Qix hat man vielleicht schon mal gesehen, womöglich als schmuddeliges Sex-Spielchen, denn die haben das Qix’sche Knobelprinzip vielfach kopiert. Aber der Rest? Da sind zweifelsohne spielehistorisch interessante Titel dabei, aber da muss ich schon zwei rosarote Retrobrillen übereinander anziehen, um hier die großen Meilensteine zu entdecken, die ich auch heute noch gerne zocke.

The Ninja Warriors: Der Original-Automat hatte einen Bildschirm, der dreimal so breit war wie üblich. Das sieht man dem Titel an.
Und damit gelangen wir zu einem noch entscheidenderen Punkt: Wie sehr bocken diese ollen Kamellen heute noch? Bedenkt: Es handelt sich um Titel der Ära 1981 bis 1987, Titel aus jener Zeit sehen heute ziemlich grob, spröde oder gar hässlich aus. Qix nicht, das hat Stil. Und auch die Ninja Warriors bilden eine Ausnahme, sind allein wegen des superbreiten Formats ein Hingucker. Aber der Hexen-Hopser The FairyLand Story, die Aufzug-Ballerei Elevator Action oder der Kriegsshooter Front Line. Puh, das sind keine 16-Bit-Schmankerl, bei denen man spontan denkt: 2D-Grafik altert so viel besser als Polygone! Und auch der spielerische Gehalt oder die Geschmeidigkeit der Steuerung waren damals eben noch nicht so poliert: Die Pferde-Pistolen-Action Wild Western fühlt sich trotz netter Idee (in der Bildmitte fährt ein Zug, der als Deckung fungiert) nie richtig rund an. In Alpine Ski rasselt man bei hohem Tempo viel zu oft in Bäume oder andere Hindernisse. Und auch das herzige Chack’n Pop, als Ein-Bildschirm-Knobler ein Bubble-Bobble-Vorläufer, hat mich nicht länger als zehn Minuten motiviert.

Macht das noch Spaß?

Puristisch, aber klug und zeitlos: Qix von 1981.
Qix finde ich dagegen immer noch reizvoll, dank seines minimalistischen Look und des aparten Sounds fühle ich da sogar ganz leichte Rez-Anleihen. Auch der Vertikalshooter Haley’s Comet hat ein paar nette spielerische Idee und The Ninja Warriors ist trotz monotonen Leveldesigns immer wieder für eine Sidescrollklopper-Runde gut. Richtig lange kann mich im Jahr 2022 aber keiner der Titel an meine Switch fesseln. Ein ähnliches Gefühl hatte ich bei der SNK 40th Anniversary Collection, davon abgesehen fand ich aber alle Retro-Collections der letzten Jahre reizvoller, egal ob sie mir Neo-Geo-Pocket-Titel, Capcoms Spielhallen-Hits oder Psikyos Shooter servierten.

Also müssen es die Technik und das Drumherum richten, sie könnten die Taito Milestones noch in eine befriedigende bis gute Wertungsregion hieven. Schon im Startbildschirm fällt Kennern ein kleines Logo auf: „Powered by Arcade Archives“. Das ist eine Download-only-Reihe, die es schon seit Jahren auf Switch, PlayStation und Xbox gibt: Jeweils ein altes Spiel, top emuliert von der japanischen Firma Hamster und für einen akzeptablen Preis (6,99 Euro) angeboten.

Technik & Boni

Alle Spiele werden mit lieblosen Mini-Anleitung erklärt - das funktioniert, aber man kennt es schon aus den Arcade Archives.
Leider bedeutet das bei den Taito Milestones, dass dort einfach nur solche Hamster-Titel gebündelt wurden. Und fast alle zehn Spiele gibt es schon einzeln im Switch-Store. Die hier vorliegende Sammlung serviert mir ein schnödes Hauptmenü, von dem aus ich in die Emulationen springe. Die dann sogar dasselbe Menü haben, das man von den Arcade Archives kennt. Ich muss es wissen, habe ich mir doch schon etliche davon gekauft. Das wäre prinzipiell in Ordnung: Weil die (Grafik-) Optionen stimmen, weil es technisch schnurrt und eine kleine Anleitung den jeweiligen Titel schlicht erklärt. Aber das ist doch kein Format für eine Retro-Sammlung! Hier will ich ein bisschen Zucker für die olle Zockerseele: Ein schönes Menü mit virtuellen Automaten, eine Galerie mit Artworks oder Arcade-Flyern, was zum Freischalten, ein paar Infos zur Geschichte der Taito-Klassiker.

Noch besser wären natürlich: Rückspul-Funktion, verschiedene Portierungen der Spiele und Superplays, wo ich an einer bestimmten Stelle einsteigen kann. Kaum eine Collection hat all das perfekt hinbekommen, aber bis auf die Taito Milestones hat keine so konsequent missachtet, was sich Fans wünschen.

Fazit

Sorry, das kann ich nicht mehr feiern! Die Sammlung hat zu wenig Titel im Angebot und sie lässt essenzielle Taito-Hits einfach weg - wohl um andere Taito-Collections zu Space Invaders oder Darius nicht zu kannibalisieren. Technisch sind die Emulationen astrein, aber viele der zehn Spiele sind heutzutage einfach keine Bringer mehr. Steuern sich schwammig, sind flach oder unfair. Und es fehlen auch einfach die großen Namen, die bei jedem Retro-Fan die Augen leuchten lassen. Selbst weitere Arcade-Archives-Titel von Taito, die es separat in den Online-Stores gibt (z.B. The Legend of Kage) fehlen auf dem Modul. Und dann ist da noch die Sache mit den Extras und dem liebevollen Drumherum. Totalausfall. Ich war wirklich schockiert, als ich das blöde Standard-Menü sah und von dort aus dann einfach in die ganzen Arcade-Archives-Emulationen geworfen wurde.

Pro

  • alte Spiele supersauber emuliert
  • ein paar seltene Titel dabei, die kaum jemand kennt
  • grafische Einstellungsmöglichkeiten
  • Qix & The Ninja Warriors machen noch Spaß

Kontra

  • sehr lieblos präsentiert
  • keine Extras, kein musealer Charakter
  • essenzielle Taito-Klassiker fehlen
  • zehn Spiele sind schon eine magere Zahl
  • viele Titel grafisch wie spielerisch betagt

Wertung

Switch

Schwache Retro-Sammlung, die nur technisch überzeugt. Umfang, Spieleauswahl und Präsentation enttäuschen durch die Bank.

Echtgeldtransaktionen

Wie negativ wirken sich zusätzliche Käufe auf das Spielerlebnis, die Mechanik oder die Wertung aus?

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Kommentare
Ploksitural

4Mattes.de
Ich würde es toll finden, im Gegensatz zur Collection hier. Für 5€ schaue ich aber eventuell mal rein, vielleicht... unter Umständen.

vor 2 Jahren
Kajetan

Wann wird die Webseite eigentlich in „Matthias Schmid Magazin“ umbenannt?
MSM ist doch was phöses, oder?

vor 2 Jahren
4P|Matthias

Wann wird die Webseite eigentlich in „Matthias Schmid Magazin“ umbenannt?
Zum Glück niemals Das wird sehr bald sehr vielfältiger. Das freut mich, und euch.

Zuletzt bearbeitet vor 2 Jahren

vor 2 Jahren
samhayne

Wann wird die Webseite eigentlich in „Matthias Schmid Magazin“ umbenannt?

Zuletzt bearbeitet vor 2 Jahren

vor 2 Jahren
Khorneblume

Danke. Die Collection hat mich eigentlich von Beginn an nicht die Bohne interessiert, fehlt da einfach das Herzstück von deren Shmup-Historie. Darius etc. hat man ja leider schon abseits zu Geld gemacht. Mit den Darius Klassikern wäre es ein Autobuy gewesen.

vor 2 Jahren