Keine Vorkenntnisse benötigt
Ganz wichtig: Ihr müsst den ersten Teil nicht gespielt haben, um mit Pandemic Legacy - Season 2 loszulegen. Das Abenteuer verlangt keinerlei Vorkenntnisse und lässt sich separat mit bis zu vier Freunden erleben. Ihr könnt auch zu dritt oder zweit starten, dafür gibt es nur kleine Ergänzungen. Überhaupt ist das Regelwerk angenehm kompakt. Zunächst erstellt ihr wie in einem Rollenspiel eigene Charaktere, indem ihr deren Karten mit Name und Geburtsort beschriftet sowie ein Portrait und eine Fähigkeit aufklebt.
Keine Bange, ihr könnt ruhig den permanenten Filzstift oder einen Kuli dafür einsetzen. Denn zum Wesen der Legacy-Spiele gehört, dass ihr ein Abenteuer mit allen Konsequenzen nur einmal erlebt. Charaktere erhalten nicht nur bleibende Narben und können sterben, sondern das Regelwerk und der Spielplan verändern sich dauerhaft, meist durch frisch aufgeklebte Sticker. Hinzu kommt der coole Überraschungseffekt durch zunächst verschlossene Boxen und Dossiers, die an bestimmten Stellen der Kampagne geöffnet werden und weitere Karten, Modifikationen sowie Ereignisse hinzufügen.
71 Jahre nach dem Weltuntergang
Es gibt allerdings im Atlantik und dem Mittelmeer drei so genannte Zufluchten, von denen aus Retter die letzten überlebenden Städte versorgen - alles dreht sich quasi darum, wie man genug Vorräte von A nach B bringt und wie man die drastisch gesunkenen Bevölkerungszahlen wieder erhöhen kann. Ihr gehört zu so einem Retter-Team, aber müsst damit rechnen, dass da draußen nicht nur der Virus mit seinen Ausbrüchen, sondern auch eine feindliche Fraktion namens Hohle Männer lauert. Und die hat in einem hinterhältigen Coup vermutlich viele eurer Anführer vernichtet.
Ein Hauch von Rollenspiel
An dieser Stelle erkennt man schon das Rollenspielflair, das sich durch Pandemic zieht. Man liest vor dem Start des Abenteuers eine Einleitung und zwischendurch immer wieder kleine Texte vor, so dass ein erzählerischer Rahmen entsteht. Außerdem entwickeln sich die Charaktere entweder über weitere Fähigkeiten oder Narben sowohl positiv als auch negativ. Auch hier gibt es einen coolen Spannungsfeffekt, denn die Narben werden z.B. von links nach rechts auf den Karten freigerubbelt, so dass man nicht weiß, was passiert - oder ob sogar der Tod hinter einem silbergrauen Feld wartet.
Auch die Kampagne ist mit einem cleveren Spannungsbogen aufgebaut, so dass sich die Ereignisse jeden Monat zuspitzen, zumal die Herausforderungen steigen. Im Januar bekommt man noch eine einfache Aufgabe: Man soll Nordamerika erkunden. Das klingt komisch, aber das Gebiet westlich von New York liegt ja seit 71 Jahren im Dunklen und soll wieder an das so genannte Raster angeschlossen werden.
Steigerung von Bedrohung und Möglichkeiten
Fazit
Pandemic Legacy - Season 2 ist ein klasse kooperatives Brettspiel, das direkt in meine Top 20 gestürmt ist! Natürlich vertieft es "nur" die Spielmechanik des sehr guten Vorgängers, aber das Szenario mit der postapokalyptischen Terra incognita gefällt mir noch besser. Außerdem gebührt Matt Lecock und Rob Daviau großer Respekt dafür, dass sie mit kleinen, aber feinen Zusätzen für noch mehr Dramatik mit Rollenspielflair sorgen. Über die zufällig gezogenen Karten sowie die Verschärfung der Seuchenfolgen spitzt sich die Bedrohung zu, während man andererseits mit neuen Karten belohnt wird und seine Charaktere sowie Regeln und Welt mit weiteren Stickern verändert. Das ist eine Dynamik, die euch so nur Legacy-Spiele bieten. Zwar erlebt man sie nur einmal, aber dafür individueller und intensiver. Falls euch dieses Prinzip gefällt, kann ich euch neben Pandemic Legacy - Season 1 auch Risiko Evolution empfehlen, das den Strategie-Klassiker kreativ modernisiert.
Für alle, die eine Wertung vermissen: Wir werden hier nur unsere Highlights vorstellen. Natürlich gibt es auch in der Brettspielwelt einen bunten Mainstream und billigen Murks, aber wir wollen euch alle zwei Wochen kreative Geheimtipps und ungewöhnliche Spieleperlen empfehlen, die man vielleicht nicht in jedem Kaufhaus findet.
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